2019 war unspektakulär. Ich hatte im Sommer eine Krise, die ich überwinden konnte. Sonst hatte ich viel Spaß an Kunst, war ein paar mal in den Bergen und bin einen Ultra mit 70 Kilometern gelaufen und hatte ehrlich Schwierigkeiten diesen Rückblick zu schreiben, weil 2019 irgendwie blass, schnell, ereignislos an mir vorbeigezogen ist.
Ein paar Bilder
Depressionsbewältigung
Dummerweise ein langwieriges Thema, das mich seit drei Jahren begleitet. Im Sommer hatte ich eine depressive Episode und irgendwie musste ich etwas unternehmen. Ich suchte einen Termin bei meiner Psychotherapeutin, vereinbarte einen Termin bei einer Schamanin und meldete mich für einen Achtsamkeitskurs an. Schon das pure Vereinbaren der Termine hat mir unheimlich geholfen, weil ich damit etwas aktiv unternommen habe und nicht hilflos der Depression ausgeliefert war. Dass alle vereinbarten Termine wegen der Sommerferien erst in den Herbst fielen, spielte dabei eigentlich schon keine Rolle mehr.
Im Sommer habe ich auch wieder angefangen tägliche zu meditieren, eine einfache 15 minütige Atemmeditation. Daraus hatte sich dann ein knapp 100 Tage langer Meditations-Streak entwickelt, also wirklich jeden dieser Tage meditiert. Das ist bisher mein längster Meditations-Streak und vielleicht schaffe ich (der Streak ist im Japan-Herbsturlaub gerissen) bald wieder einen noch längeren. Warum die Meditation bei meiner depressiven Episode geholfen hat? Damals hatte ich keine Ahnung, aber die positive Wirkung war da und „wer heilt hat recht“ 😉 Erst später nachdem ich die depressive Episode wieder ganz von selbst überwunden hatte, hatte ich den Termin bei meiner Psychotherapeutin. Ich erzählte von meiner Meditationspraxis und der fast wundersamen, aber für mich unerklärlichen positiven Wirkung. Die Therapeutin erklärte dann, dass die mit der Meditationspraxis verbundene Selbstermächtigung wohl den positiven Effekt bringt, also das gezielte ‚etwas für sich selbst machen‘.
Neben den Meditationen führte ich ein Gefühlstagebuch mit der Moodpath-App. Die Moodpath-App hilft etwas den Überblick über seine Gefühle zu erlangen (Geht’s mir eher morgens oder abends schlecht? Sind die Tiefs wirklich so lange, wie sie sich anfühlen? Gibt es spezielle Auslöser für die Emotionen?) Zudem gibt die App alle 14 Tage einen Überblick und dann helfen auch schon App-Diagnosen wie ‚Hinweise auf eine leichte depressive Episode‘, um die eigenen Gefühle noch greifbarer zu machen. Das Hauptziel mit der Moodpath-App war die Dokumentation meiner Gefühle während der depressiven Episode. Erstens hilft einem Patienten schon das reine Auseinandersetzen mit seinen Emotionen. Zweitens lieben Psychotherapeuten solche Tagebücher, weil sie dann einfach mehr Informationen haben und nicht nur auf den Patientenzustand während der Therapistunden stützen müssen. Das Gefühlstagebuch war im Sommer quasi die Vorbereitung auf eine mögliche Psychotherapie, die aber nach dem Abklingen der Depression gar nicht mehr notwendig war 🙂
Fazit, ich konnte mit (1) dem Vereinbaren von Terminen zur Hilfe, (2) täglicher Meditation und (3) dem Gefühlstagebuch und (4) Noise-Cancelling-Headphones mich aus der depressiven Episode wieder selbständig lösen und noch viel besser, mir war dieser Weg selbst bewusst.
p.s.: Der Termin bei der Schamanin war ein Erlebnis für sich.
Fitter oder weniger fit?
Gefühlt unfit, moppelig und mit einigen Zipperlein, erst im Frühling ein Knubbel am rechten Knie, dann im Herbst Probleme mit der rechten Fußsohle.
Im Mai habe mit Kollegen sehr kurzentschlossen beim Megamarsch 2019 von München nach Mittenwald teilgenommen. Erst mit einer Kollegin als ‚Emotional Support‘ bei ihrem ersten Ultralauf auf den ersten 46 km durch eine sehr dunkle und wilde Regennacht (viel viel weiter als geplant). Anschließend dann noch weiter im starken Regen und durch Schnee bis Kilometer 70 nach Kochel am See. Die restlichen Kilometer nach Mittenwald habe ich mir dann geschenkt. Einerseits weil die Gruppe der ich mich angeschlossen hatte, bei Kochel aufgab und andererseits war der Luxus, das mich meine Frau nach dem Regen abholt und verhätschelt, einfach zu verlockend. Nächtes Jahr werde ich wieder mit meinen Kollegen beim Megamarsch starten.
Am wichtigsten ist, dass ich Ende des Sommers wieder angefangen habe mit der Laufgruppe regelmäßig zu laufen, erst flach dann hügelig und bei jedem Wetter.
Die teuersten Anschaffungen?
Der Japan-Urlaub im Speziellen und Urlaube im Allgemeinen.
Mehr oder weniger?
Beruf — besser
Es klingt vielleicht blöd, aber eine „Scheiß-Egal-Haltung“ hilft. Ich versuche möglichst alle Dinge, die ich nicht ändern kann, zu ignorieren (Aktuelle wirtschaftliche Krise, Büroklatsch und -Tratsch, Mitarbeiter- und Chefwechsel, mögliche Fehlentscheidungen, aber auch exzessive Parties mit Kollegen, …). Ich versuche mich auf meine eigene Arbeit zu konzentrieren, hatte coole Projekte … aber mich auch nicht zu sehr zu vereinnahmen lassen.
Bergsport — wenig
2019 war kein Bergsportjahr, keine einzige Skitour, ein paar Bergtouren: Kreuzspitze, Hochblasse, Notkarspitz, Kurama-dera-Tempel, Allerheiligen Wasserfälle, Dolomiten, und „Whole Hill Running“ im Derchinger Forst.
Die größte Herausforderung 2019 war die Kreuzspitze. Beim ersten Anlauf im Sommer noch mental angeschlagen, wirkte der Gipfelaufbau auf mich sehr bedrohlich, je näher wir dem Gipfel kamen, desto schlimmer. Ich habe dann mit meiner Begleitung die Tour abgebrochen. Im Herbst stand ich dann alleine auf der Kreuzspitze, stolz und ganz ohne mentale Probleme.
Boardsports — wenig
Ich bin ein paar mal größere Augsburger Runden mit dem Longboard gefahren, war kaum elektrisch unterwegs und dann ist mir auch noch der sackteure Akku verreckt … jetzt brauche ich einen neuen.
Kochen — unverändert
Urlaube
Zillertal — St. Ulrich — Mailand — Schwarzwald — Berlin — Japan
Die hirnrissigsten Aktionen?
Kein hirnrissige Aktion dieses Jahr 🙂
Die größte Überraschung?
Ich kann mit geschlossenen Augen sehen! Kein Witz und nein das ist kein übersinnlicher Murks. Meine Erfahrung und den ganzen wissenschaftlichen Hintergrund gibt es im Blogartikel „Sehen mit geschlossenen Augen„.
Das leckerste Essen & Trinken?
Das beste Essen war das Tempura in Kyoto, das Frozen Kirin in der J-Bar das beste Bier für meinen Papa und mich. Bei einer Party in Mailand gab es dann noch Erdbeeren mit Minze eingelegt in einer mit Rotwein gefüllten Tupperdose … lecker.

Neue Freunde?
Keine neuen Freunde, aber die Teilnehmer beim MBSR-Kurs waren eine nette schöne Gruppe.
Beziehungsstatus?
Glücklich in einer Beziehung ❤
Die besten Bücher?
2019 habe ich kein richtig gutes Buch verschlungen.
Der beste Film?
Die beste Kunst?
Die Eisenguß-Skulpturen abgestorbener Wurzeln von Ai Weiwei (Galerie Neugerriemschneider in Berlin) haben mich geflasht.
The Hub Schwabing war eine Kunst-Zwischennutzung bevor das Gebäude in der Infanteriestraße 14 abgerissen wird. Richtig klasse waren Hemel & Freytag, die gleichzeitig an selben Bild malen, auch mal konkurierend einander übermalen. Sie teilen die Erfahrung mit den Vernissage-Besuchern, die eingeladen sind gemeinsam ein Bild zu malen.
Die schönste Veranstaltung?
Als Zuschauer bei beide Halbfinalen von Ninja Warrior Germany 2019 an einem heißen Sommertag.
Positiver Erinnerungen ganz durcheinander
Erdbeeren und Bier am Mummelsee / Waldgeister / Ninja Warrior Germany / Roofing Berlin / Einhorn Portrait / Gipfel der Kreuzspitze / Lovot, Pepper, Unicorn Gundam und der Wahrsageroboter / Banksys ‚Girl with Balloon‘ in Baden-Baden / Ganz allein im „The Hub Schwabing“ / Artischocken in der Goldenen Bar / Eckbank Demolition Man / Wasserraketenstart / blaue Cola & blaue Nicecream / Sommerabend an der Kulper Hütte / Was ist eine ‚Gumpe‘? / „No danger! No danger!“ / auf der Suche nach Kasimir / Bombardino und Ziegen / Erst frierend, dann nackig und schließlich in trockenen Tüchern nach dem Megamarsch / MBSR Tag der Stille / Männergrillen / der GUTE Berliner Luft Pfeffi / Vollautomatisches japanisches Bad / Yusubitch on Tonic / Lockpicking / Baden im eiskalten Starnberger See / mit dem E-Bike bergab / Red Bull Roller Coaster / Erdbeer-Rotwein-Nachbarschafts-Party in Mailand / Chichu Art Museum in Andos Architektur / Whole Hill! / Frozen Kirin mit meinem Papa / Hüttenblick in St. Ulrich / Allerheiligen-Wasserfälle / Dreikönigskuchen / Oktoberfest mit Freunden / Karlsberger See / Aus’zogene am Gärtnerplatz / Wohnwagenabend im heißen Sommer / Regennacht mit dem Guardians of the Galaxy Soundtrack / Geburtstagspartys / Chiffon Cake Form / Wassermelonenhaifisch / Ai Weiwei Wurzeln / New-Clothes-Dance / Silbermantel / Glocke des uralten Kurama-Bergtempels / Birgit muss nicht verhungern / Grillen mit Kollegen / Sumo / (My) Favourite Surfergirl / Kürbisfeld / Eden Projekt / Chips auf der Hotelterrasse / Croissantkrümel im Bett mit Blick auf den Alex /
Zum ersten mal getan?
Einen klassischen Acht-Wochen-Achtsamkeitskurs (MBSR) mit praktischen und theoretischen Anteilen und vielen neuen Erkenntnissen.
Nach langer Zeit wieder getan?
Ich bin ziemlich kurz entschlossen den Mega Marsch München 2019 gelaufen, mein erster Ultra Trail seit drei Jahren.
Dinge, auf die ich gut hätte verzichten können?
Mentale Krise im Sommer und Hundekacke am Schuh in Berlin.
Ein schönes Geschenkt, das mir/ich jemand gemacht hat?
Birgit schenkte mir Publikums-Karten für die beiden Ninja-Warrior-Halbfinale 2019 in Karlsruhe und das war ein wahnsinnig tolles Erlebnis.
Die besten Sprüche?
Nachdem ich meinen Eltern erzählte, dass ich beim Mega Marsch von München nach Mittenwald nach 70 km in Kochel am See aufgegeben hatte, meinte meine Mutter dann:
Oh, schön, in Kochel am See gibt es doch das tolle Blaue-Reiter-Museum. Habt Ihr das nach dem Lauf noch anschauen können?
Gute Idee, aber nein, ich wollte nur noch frierend raus aus den nassen Sachen und ab ins Bett. Den Blauen Reiter schaue ich aber sicher noch an. Vielleicht nach dem Megamarsch 2020?
In Berlin:
Süß, Ihr teilt Euch einen Mantel.

The Hub Schwabing 
The Hub Schwabing 
Berlin 
Salone de Mobile
Ja, der Mantel gehört mir, aber Birgit sieht darin irgendwie stylisher aus, so stylish, dass sie auf der Straße angesprochen wird und in irgendwelchen Magazinen als Hippster-Frau abgebildet wird 😉
Gute Taten?
Mir ist keine spezielle gute Tat im Kopf hängen geblieben, aber auf dem Karmakonto steht gefühlt mindestens eine schwarze Null.
2019 war mit wenigen Worten …
Unspektakulär, 2019 ist irgendwie schnell und gesichtslos an mir vorbeigezogen.
Pläne für 2020?
(1) Den Megamarsch 2020 von München nach Mittenwald mit den Kollegen laufen.
(2) Yuctan Urlaub im Dezember 2020.




































